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Ernst Kahn und seine Frau Thea beim Empfang im Zeller Rathaus.


Am nächsten Tag, dem 16. September 1995, berichtet die Rhein-Zeitung mit großer Begeisterung von der Ausstellungseröffnung: »Wie gut der Gedanke dieser Begegnung war, mit welchem Interesse das Vorhaben aufgenommen wird, zeigt überzeugend eine Zahl: Statt der eingeladenen und erwarteten 100 Bürger waren mehr als doppelt so viele versammelt, als der Landrat Dr. Klaus-Peter Balthasar unter lebhaften Applaus die Gäste einzeln begrüßte ... Der Verlauf des Abends wandelte sich unversehens von einer festlichen Veranstaltung zu einer Gesprächsrunde unter Nachbarn. Als hätte es die fünfzig Jahre Trennung nie gegeben.«

An diesem Morgen finde ich Walter Kahn nicht bei den anderen am Frühstückstisch. Er ist auch nicht auf seinem Zimmer. Leicht beunruhigt wegen seiner angegriffenen Gesundheit gehe ich in Richtung Marienburg und finde ihn auf einer Bank sitzend. Verträumt blickt er auf sein Heimatdorf Bullay. Der Nebel steigt langsam von der Mosel auf und die Sonne scheint auf den Jüdischen Friedhof, auf dem sein Vater, seine Großeltern, Urgroßeltern und Ururgroßeltern begraben liegen. Das Grab seiner im Jahre 1831 verstorbenen Ururgroß-mutter Reis Sondheimer ist das älteste des Friedhofs Bullay.
Walter und sein Bruder Ernst Kahn können ihre Familiengeschichte bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Zu dieser Zeit gab es in Zell noch keine Synagoge. Erst Moses Sondheimer, der Sohn von Josef und Reis, erlebte den Bau der neuen Synagoge im Jahre 1849, ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes Adam.

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